Landesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Rheinland-Pfalz e.V.

Landestreffen am 07.07.2016 in Mainz, Erbacher Hof

Aufsuchende Hilfen stärken. – Zwangseinweisungen vermeiden. „Es muss endlich etwas passieren!“

Das psychiatrische Versorgungssystem weist gravierende Lücken auf. Insbesondere schwerkranke Menschen, die ihre Hilfsbedürftigkeit nicht erkennen oder nicht in der Lage sind, Hilfen anzunehmen, werden vom Versorgungssystem nicht erreicht. Als Grund wird unter anderem angeführt, es sei nicht möglich, ohne die Zustimmung des kranken Menschen irgendetwas zu veranlassen oder zu unternehmen. Seine Autonomie sei unbedingt zu respektieren. Nicht selten kommt es als Folge fehlender Behandlung zu Zwangseinweisungen, Einweisungen in die Forensik sowie schweren Beeinträchtigungen der materiellen oder sozialen Situation des betroffenen Menschen. Gerade der Respekt vor Würde und Autonomie eines psychisch erkrankten Menschen erfordert, alles zu tun, um ihn möglichst vor traumatisierenden und potentiell entwürdigenden Maßnahmen wie Zwangseinweisung und Zwangsbehandlung zu bewahren. Der Respekt vor der Autonomie eines psychisch erkrankten Menschen darf keine Entschuldigung für Untätigkeit sein.

Angehörige fordern:

  • Aufsuchende Hilfsangebote müssen deutlich ausgebaut und gefördert werden.
  • Diese Angebote sind so zu gestalten, dass schwer erkrankte Menschen sie annehmen können.

Bei der Fachtagung beleuchteten Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln diese Versorgungslücke und zeigten Ansätze auf, wie diese geschlossen oder zumindest verkleinert werden könnte. Dazu müssen die gesetzlichen, vorwiegend finanziellen Rahmenbedingungen angepasst werden. Mindestens ebenso wichtig aber ist, dass bei einem großen Teil der Behandler aller Professionen zu dem Respekt vor der Autonomie eines Erkrankten (Stichwort: Recht auf Krankheit) die Verpflichtung zur Fürsorge wieder größeren Raum einnimmt und die Bereitschaft besteht, durch individuelle und ggf. auch unkonventionelle Maßnahmen ein Vertrauensklima zu schaffen, das es dem Erkrankten ermöglicht, angebotene Hilfen anzunehmen.

Hier können Sie das Protokoll der Tagung herunterladen.

Die Referenten und ihre Beiträge:

    • aus der Sicht von Angehörigen:
      Dr. Hans Jochim Meyer, Hamburg
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      Resolution der Angehörigenverbände zum Thema
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    • Auf der Website des Landesverbands Hamburg finden Sie, wie Sie diese Resolution durch Ihre Unterschrift unterstützen können.

zur Website des Landesverbands Hamburg
  • aus der Sicht einer Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA):
    Dr. Barbara Klingler-Krausnick, Mainz
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  • aus der Sicht einer psychiatrischen Klinik:
    Dr. Rüdiger Münzer, Klingenmünster
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  • Moderation:
    Jessica Odenwald
  • Koordinierungsstelle für gemeindenahe Psychiatrie für die Stadt Mainz

 

Die Tagung wurde gefördert von den Krankenkassen: IKK Südwest und Kaufmännische Krankenkasse KKH

veröffentlicht am 20. Juni 2016 unter Landestreffen.


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