Landesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Rheinland-Pfalz e.V.

Je nach Krankheitsverlauf kommen manche Angehörige mit speziellen Frage- bzw. Problemstellungen in Berührung. Einige davon sind mit Tabus belegt, bei anderen bestehen – auch bei Angehörigen – Vorurteile oder nur fragmentarisches Wissen. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, sich auch diesen Themen möglichst angstfrei und unvoreingenommen zu stellen.

Die Beiträge auf dieser Seite stammen überwiegend von entsprechend qualifizierten Angehörigen-Aktivisten, einige von sozial-psychiatrisch orientierten Profis; alle Autoren sind der Redaktion bekannt.

Rechtliche Betreuung

Soll man als Angehörige/r die rechtliche Betreuung für ein erkranktes Familienmitglied übernehmen – oder besser nicht? Nicht nur praktische Erwägungen sollten bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen, sondern auch die eigene Motivation und mögliche Auswirkungen auf die Familiendynamik.

Der bayerische Angehörigenverband hat dazu eine Checkliste entwickelt und 2019 aktualisiert, die wichtige Fragen aufwirft.

Die Angst, selbst an einer psychischen Störung zu erkranken

Vor allem Kinder und Geschwister von psychisch erkrankten Menschen werden oft über lange Zeit von Ängsten umgetrieben, selbst psychisch zu erkranken; aber auch Eltern und Partner/innen beschäftigen sich häufig mit der Frage der Vererblichkeit. Befeuert werden Befürchtungen, selbst ein hohes Erkrankungsrisiko zu haben oder weiterzugeben, von (vermeintlich) immer neuen Forschungsergebnissen einerseits und in manchen Familien gehäuft auftretenden Erkrankungen andererseits.

Im Rahmen einer umfangreichen Geschwister-Monographie haben sich Prof. Reinhard Peukert und Leonore Julius mit dem aktuellen Stand der Forschung befasst und diesen zusammengefasst.
Die wesentlichen Ergebnisse:
1. Das ‚genetische‘ Erkrankungsrisiko ist längst nicht so hoch wie gemeinhin angenommen.
2. Damit sich aus einem ‚Risiko‘ eine Erkrankung entwickelt, müssen – bis auf sehr seltene Ausnahmen – belastende Umwelt- und soziale Bedingungen zwingend hinzukommen. Dies stellen alle renommierten Genetiker übereinstimmend fest.
3. Die Epigenetik, ein noch relativ neues Forschungsgebiet, spielt bei der Transformation eines Risikos in eine Erkrankung eine wesentliche Rolle, sogar über mehrere Generationen hinweg. Die epigenetischen Prägungen indes sind – anders als ‚die Gene‘ – im Laufe des Lebens veränderbar, also zum Positiven und Negativen beeinflussbar.

Die mit vielen Studien unterlegte Arbeit kann hier eingesehen oder heruntergeladen werden.

Aggressionen und Gewalt (in der Familie)

Ein hoch tabuisiertes Thema, über das selten gesprochen wird, dennoch treten Aggressionen und manchmal auch Gewalt im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung auf und Angehörige müssen in diesen Fällen damit umgehen.

Damit kein Missverständnis entsteht: Die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung sind nicht aggressiver als andere, aber es gibt Hinweise, dass insbesondere im Verbindung mit Alkohol- oder Drogenkonsum das Gewaltpotenzial zunimmt – wie auch bei Menschen ohne eine psychische Erkrankung.

Gewalt gegen psychisch Kranke

Auch über Gewalt gegenüber psychisch kranken Personen wird selten gesprochen, obgleich viele von ihnen dem in sehr unterschiedlichen Formen ausgesetzt sind und sich oft nur schlecht wehren können. Prof. Asmus Finzen widmet sich diesem Problem bereits seit längerem.

Angehörige von Forensik-Patienten

Angehörige, die mit der vorläufigen oder dauerhaften Unterbringung eines Familienmitglieds in einer forensischen Klinik konfrontiert werden, stehen meist vor großen Herausforderungen, denn neben Stigmatisierung und Tabuisierung wissen sie wenig über die juristischen Implikationen.

Dr. Gerwald Meesmann ist Angehöriger und Jurist und hat zur Orientierung Info-Materialien für Angehörige von Forensik-Patienten entwickelt bzw. sich an der Entwicklung beteiligt.

  • „Was tun, wenn ein psychisch Kranker straffällig wird?“
    Hinweise für Angehörige zum Verfahren zwischen Tat und Urteil
    von Dr. Gerwald Meesmann, 2018
    Merkblatt herunterladen 

Das Merkblatt informiert in kurzer und übersichtlicher Form über:
> die wichtigsten Paragrafen des Strafgesetzbuches und der Strafprozessordnung
> das Verfahren (Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht)
> die Tätigkeit des Gutachters und Rechtsmittel
> Kontaktaufnahme mit dem/der Untergebrachten und Besuche
> Umgang mit dem Delikt in der Familie und im sozialen Umfeld
> Wie geht es weiter?
> Was kann man als Angehörige/r tun?
und vieles mehr

  • „Wegweiser für Angehörige von Forensik-Patienten“
    Theis, Kowalschik, Meesmann, 2016
    Broschüre herunterladen
    oder
    über unsere Geschäftsstelle anfordern

Als praktisch nutzbares Ergebnis einer Masterarbeit, die von einem erfahrenen Angehörigen begleitet wurde, entstand diese Broschüre. Der Wegweiser soll Angehörigen Mut machen und Unterstützung in einer schwierigen Situation geben. Auch Themen wie die eigene seelische Gesundheit oder Hilfe zur Selbsthilfe werden aufgegriffen. Die Broschüre ist übersichtlich gegliedert und basiert auf einem Frage-Antwort-Prinzip.

  • „Und wo bleiben die Angehörigen?“
    Dr. Gerwald Meesmann in Soziale Psychiatrie, 2016
    Artikel herunterladen

Weitere Artikel in dieser Ausgabe der Zeitschrift zum Thema Forensik finden Sie hier